Montag, 23. März 2015
Ein turbulentes Jahr geht zu Ende
Wir sind zwar mittlerweile im März angekommen, dennoch möchte ich zumindest noch ein wenig über das letzte Jahr sagen…. Das letzte Jahr war sehr erkenntnisreich, es hat uns vieles mehr zu schätzen gelehrt, in vielen Sachen die Augen geöffnet. Für uns ging das Jahr leider mit einem Schrecken zu Ende. Nach dem Weihnachtsmarkt bekam ich einen Anruf, der mich veranlasst hat, alles stehen und liegen zu lassen und sofort nach Hause zu fliegen. Leider wird man auch in einer solchen Notsituation von den Chinesen auch noch abgezockt, wenn man dringend einen Flug braucht. Das Geld war in der Situation wirklich totale Nebensache, trotzdem zeigt es, daß hier wirklich oft nur die Kohle zählt.
Bedanken möchte ich mich bei meinen Kollegen, die mir im Dezember ganz viel abgenommen haben, als unsere nächste Software-Einführung anstand und ich nicht verfügbar war. Das war Gold wert und so konnte ich mich ausschließlich um meine Familie kümmern.
Auch meine Familie und Freunde waren toll und haben uns unterstützt, wo es nur ging! Danke!!
Rausgerissen aus China von einer Minute auf die nächste, hatte ich keine Zeit für Jetlag und Nachdenken. Erst als ich nach Weihnachten langsam zur Ruhe kam, hab ich mir immer wieder die Frage gestellt, wie es nun weitergehen soll. Auf einmal war China zur absoluten Nebensache geworden, ich hatte eher ein schreckliches Gefühl, zurückkehren zu müssen. Das letzte Jahr hat soviele unerwartete Reaktionen und Emotionen hervorgerufen, die man in einem normalen Alltag einfach nicht in dem Maße und in der Zeit erlebt. Von Wut über manche Erlebnisse, über Gelassenheit, weil man eh nichts ändern kann bis hin zu totaler Traurigkeit, weil man sich von Gott und der Welt verlassen fühlt.
Oder auch Freude, weil man mal was ganz anderes sieht und hört, weil man sich besinnt, welche Chance man eigentlich bekommen hat, weil man merkt, wie gut es einem in Deutschland geht. Es mangelt einem dort eigentlich an nichts, man kann problemlos überall einkaufen gehen ohne Verständigungsprobleme, wenn man ins Kino will, geht man eben, man kann jeden Fernsehsender schauen und versteht alles. Man kann vor allem vor die Tür gehen und saubere Luft atmen. Da machten wir uns zu anfangs jeden Tag Gedanken zu, ob wir wirklich rauskönnen und was wir jetzt alles einatmen…. Vor ein paar Tagen kam erst wieder was über Feinstaub, wo eine deutsche Stadt den Wert 50 gemessen hat. Da haben wir gelacht, 50 ist hier Luxus, da sind wir sofort draußen….

Wir ihr wisst, musste ich nun Anfang Januar zurück nach China mit einem ganz unguten Gefühl, meine Familie allein zu lassen. Ich konnte aber Mitte Januar zurück, da noch einige private Dinge anstanden und bin nun endgültig seit März wieder in China. Geplant war das so zwar nicht, ich wollte viel eher zurück, aber manche Dinge sind einfach nicht planbar. Ich hab mich in den letzten zwei Deutschland-Monaten natürlich wieder an alles total gewöhnt und wollte nicht zurück in die schlechte Luft. Ich war so happy, meine Familie, Tiere, Freunde, Kollegen wieder um mich zu haben, daß ich beschlossen habe, auch dieses Jahr öfter in DE zu sein, zumal der Job es auch teils erfordert. Aber meine China-Aufenthalte versuche ich nun anders zu gestalten, viel mehr zu unternehmen, sofern das natürlich zeitlich möglich ist.
Mittlerweile ist das Gefühl auch nicht mehr ganz so schlimm, hier zu sein. Ich kann das Ende ja schon sehen, auch wenn es erst nächstes Jahr ist…. Soll bestimmt nicht heißen, daß ich jetzt wehmütig werde, ich denke nicht, daß ich das je sein werde, dafür ist der kulturelle und umweltliche Unterschied einfach viel zu krass, dafür gibt es einfach zu viele Aspekte, die einem so vieles hier erschweren… Und ich weiß ja, was ich in DE alles haben kann. Weiterhin gibt es ja auch eine private Planung, die sich eigentlich erst durch die letzten Monate ergeben hat und die nun umgesetzt werden wird. Manchmal muß man eben erst weg, um zu erkennen, was man wirklich möchte.
Dann nun auf ein neues spannendes Jahr…. Schauen wir mal, was das so bringen wird….

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