Mittwoch, 14. Januar 2015
Chinesische Hochzeit
Im Oktober letzten Jahres durften wir endlich mal an einer chinesischen Hochzeit teilnehmen.
Bereits im Januar des Jahres bekam ich die Hochzeitsvorbereitungen mit, die in China ähnlich aufwendig zu sein scheinen wie in Deutschland. Ich konnte immer gar nicht verstehen, was unsere Kollegin erzählte wegen eines neues Apartments, welches erst dafür fertig sein muß bevor getraut wird, dann was das bedeuten soll mit der „decoration“ und so. Jetzt, nach der Hochzeit bin ich schlauer und da nun auch ein weiterer Kollege plant, dieses Jahr zu heiraten, ist einiges klarer.
Und zwar ist es eigentlich in China so (lt. einer anderen Kollegin), daß man sich seinen Zukünftigen als Mädel danach aussucht, was im Hintergrund ist. Dabei ist es wichtig, daß er ein Auto hat, Geld hat und gebildet ist. Denn: man zieht nach der Hochzeit in die neue Wohnung der Eltern des Mannes, die natürlich da mit wohnen. In die alte Wohnung geht mal gar nicht….. Die neue Wohnung muß komplett neue Möbel haben, das ist die „decoration“. Wenn das alles gewährleistet ist, können die Hochzeitsvorbereitungen losgehen.

Nun wird zunächst die Location gebucht, am besten ein Hotel, was richtig teuer ist, denn teuer = gut (das kommt nicht von mir). Dann braucht man einen Fotografen (okay, den will ja jeder haben), einen Videografen und wenn gewünscht, einen Moderator (oder auch sogar Wedding Planner). Die sind richtig teuer (einer davon um die 2.000 Euro). Das ist schon mal so ziemlich das Wichtigste. Dann die Frage der Kleider. Die wechselt man an besagtem Tag bis zu 8mal. Durchschnitt sind aber 3 bis 4. Die werden geliehen und man bucht das Leihpaket auch früh genug. Wie passt man nun in diese Dinger rein ohne die vorher anzuprobieren? Genau, die sind groß genug und werden dann mit Sicherheitsnadeln am Rücken zugesteckt, bis es passt. Sieht übrigens ziemlich gewöhnungsbedürftig aus….. Da die meisten Chinesinnen ja auch superschlank sind, sind die Größen immer auf 40-55 Kilogramm-Frauen geschnitten.

Nun bucht man die Pre-Wedding-Fotos. Die macht man ein halbes Jahr vor der eigentlichen Hochzeit und reist dazu wie in die Flitterwochen an einen Strand und macht dort Fotos in den verschiedensten Kleidern. Dann fährt man noch zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten, speziell Kirchen und macht Fotos. Aus den ganzen Fotos wird eine Präsentation gemacht.
Dann sucht man die Gäste aus. Regel, je mehr, desto besser. Denn die Gäste finanzieren das Ganze (das Essen ist nämlich mit ca. 10-15 € pro Person richtig günstig, Alkohol kauft man im Supermarkt und bringt den mit). Man gibt bevorzugt Geldscheine, die in Summe 888 RMB (über 100 €) ergeben oder mehr, unter der Summe von 500 RMB ist es nur wenigen Leuten gestattet, was zu geben (ärmere Verwandte oder so). Man beginnt so in der Regel ab 200 RMB, bloß nichts mit ner 4 geben, denn 4 = Unglück. Richtig gut ist, wenn man westliche Freunde oder Kollegen hat, da schmückt man sich mit. Das ist was Besonderes. Dazu aber später!
Das Geld überreicht man in einem roten Umschlag, dem Hong Bao, was anderes geht gar nicht. Man schenkt auch keine Blumen oder was dazu.

Nun war es denn soweit, die Hochzeit stand bevor. Wir hatten schon diverse Infos bekommen, wie sowas abläuft, was man anzieht und wie lange das dauert. Die Stories dazu waren „interessant“. So ist es wohl total egal wie man da aufkreuzt farblich, nur kein Weiß oder Rot, kein Tanz, keine Spiele und bloß nicht festlich kleiden.
Um sicher zu gehen hab ich dann die Kollegen nochmal gefragt, die mir sagten, ich soll nichts Rotes, Weißes, Dunkles anziehen. Blau geht gar nicht, Schwarz ganz schlimm etc. Auf die Frage, was die denn selbst anziehen, kam immer nur „mal sehen“.
Hat mich also nicht weiter gebracht. Also hab ich unsere Vermieterin gefragt. Da kamen die gleichen qualifizierten Aussagen, ich sollte doch mal gucken, ob ich was Braunes hab. Braun geht immer. Tja, genau die Farbe ist in meiner Garderobe nicht vorhanden. Hellblau ginge auch, hab ich aber auch nicht. Gelb wär auch gut. Gelb, also ich weiß ja nicht, hab ich aber auch eh nicht. Ich war schon ganz verzweifelt und hab dann beschlossen, ein weinrotes Kleid zu tragen, hatte schicke Schuhe dazu und hab mir noch Locken gemacht. Markus hatte es da leichter, Anzug und fertig.

Am Eingang des Hotels wurden wir gleich von der Trauzeugin abgefangen, die wenigstens Englisch konnte. Die hat Markus gleich erstmal verklickert, daß er als westlicher Chef Trauzeuge sei und eine Rede halten müsste (zumindest von der Rede wussten wir). Er sollte mit ihr und einer anderen Frau vorne sitzen. Begeisterung ist was anderes. Dann bekam er noch einen Blumenanstecker, der gleich erstmal sein weißes Hemd ruiniert hat.
Im Saal dann wurden wir an den Tisch geführt, wo auch die anderen Kollegen saßen.
Und was war???? Wir waren vollkommen overdressed!! Die Gesellschaft saß da in den Farben SCHWARZ, BLAU, ROT, WEISS etc. Ich kam mir echt verkaspert vor. Von Jeans über Jogginghosen war alles dabei. Selbst die Eltern des Brautpaares sahen 08/15 aus.
Es wurde geraucht überall, auf jedem Tisch standen Snacks und Zigaretten. Aschenbecher Mangelware, kann man ja auf den Boden schnippen….
Dann ging es los. Zunächst wurde eine Präsentation der Pre-Wedding-Fotos über zehnmal abgespielt. Dann kam der Moderator, der ein Mikro hatte, was dauernd Rückkopplung hatte. Während wir 4 Westler schon Bedenken hatten, einen Hörsturz zu bekommen, haben die Chinesen nicht mal gezuckt. Das scheint also normal zu sein. Dann wurde die Braut von ihrem Vater reingeführt im weißen Kleid. Wir haben sie gar nicht wieder erkannt. Aus dem Mädchen mit Brille und Jogginghose ohne Make-Up hatten sie eine Frau gezaubert, die komplett anders aussah. Der Bräutigam kam dann auf sie zu und musste 3x was Lautes in Chinesisch schreien, dann hat der Vater sie ihm übergeben. Dann wurden die Reden alle auf der Bühne gehalten.
Der Moderator kündigte immer die nächsten Schritte an. Nach den Reden der Trauzeugen hielt er noch eine und forderte den Chef auf, nochmal richtig Geld springen zu lassen außer dem eh schon angedachten Geschenk. Markus hat da nicht drauf reagiert….. Is ja schon unverschämt.

Anschließend kam die traditionelle Teezeremonie. Das Brautpaar musste mit den Eltern Tee trinken und wieder wurde irgendwas gebrüllt. Es geht da wohl um die Überführung in die Hände des Bräutigam und seiner Eltern, er soll gut für sie sorgen und so. Danach hat sich das Brautpaar noch das Eheversprechen gegeben und dann war es das. Dann wurden Fotos mit allen Gästen gemacht und diese dann zu den Tischen geführt in separate Räume. Verwandte saßen zusammen, Kollegen unter sich, Freunde unter sich. Das Essen bestand hauptsächlich aus Fisch und den typischen Sachen, die man eh hier kennt.
Die Braut hat sich dann umgezogen und hatte ein lachsfarbenes Kleid an und eine neue Frisur. Das Paar ist dann zu jedem Tisch gegangen und hat angestoßen und dazu wurde eine Zigarette geraucht, wer wollte. Dort übergibt man dann den Umschlag.
Dann kamen noch die Eltern rum und haben angestoßen. Nach 2 Stunden brachen schon die ersten Gäste auf. Die Braut hatte sich zur Verabschiedung wieder umgezogen und hatte nun ein traditionelles rotes Kleid an, Frisur war auch neu. Beim Verlassen des Saales konnte man sich dann die Reste des Essens einpacken, was auch viele gemacht haben.

Und nach insgesamt 3 Stunden saßen wir wieder zu Hause auf dem Sofa.
Fazit: absolut unromantisch und emotionslos. Ist mal interessant, aber einmal reicht völlig aus.
Das Paar ist dann in die Flitterwochen nach Thailand gestartet und als sie wieder zur Arbeit kam, gab es für jeden noch ein Säckchen Süßes und Zigaretten. Interessant war, daß sie nach der Hochzeit jeden Tag in Rot zur Arbeit kam, einen Tag richtig geschminkt, dann mal mit Locken, dann mit Stöckelschuhen, dann mal kurze Röcke, Strumpfhosen und und und….. Langsam, jetzt nach 2 Monaten nimmt das ab (da sagen doch die Männer garantiert gleich „jaja, typisch, nach der Hochzeit lassen sich die Weiber gehen“ )…….












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