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Dienstag, 20. Mai 2014
Company Trip
silke3110, 07:27h
07.05.2014
Alljährlich findet bei uns ein Company Trip statt. Das ist ein Ausflug mit allen Mitarbeitern, der komplett organisiert ist mit allem Drum und Dran. In China ist das für kleinere Firmen wohl typisch und soll den Zusammenhalt fördern.
Wochen vorher wurden mehrere Möglichkeiten zur Auswahl gestellt. Die Abstimmung ergab dann eine Fahrt zum Yuntai-Mountain. Dort stand drin, daß man ca. 9 Stunden mit dem Bus benötigt. Es sollte also freitags nach der Arbeit losgehen und sonntags zurück. Nachdem wir uns die Bilder im Internet angesehen haben, waren wir begeistert. Kann ja nur gut werden!
Dachten wir! Denn der ganze Plan wurde natürlich wieder über den Haufen geschmissen. Warum auch immer…. Es geht jetzt donnerstags los und samstags zurück, Sonntagmorgen Ankunft. Jetzt steht eine Zugfahrt an über Nacht Hin und zurück auch.
- In einem Schlafwagen
- Die Betten sind aus Holz! Ohne Witz!
Tipps der Kollegen, die das kennen:
1. Nehmt euch einen Plastiküberzug mit für das Bett
2. Nehmt euch was zu essen und Getränke mit, zu teuer im Zug
3. Es gibt EINE Gemeinschaftsdusche für alle, duschen ist also nicht
Noch besser war dann, daß man auch ein Softbett haben kann, kostet halt Aufschlag. Das wurde für uns gebucht, weil Markus der GM ist, aber die anderen beiden Deutschen gehen in die Holzklasse. Problem: einer der Beiden ist fast 2 Meter groß. Er wurde informiert, daß er wahrscheinlich gar nicht in so ein Bett passt. Umbuchen auf die bessere Kategorie geht nicht, weil schon vergeben und tauschen will ja keiner….
Und noch viel besser war dann die Antwort auf unsere Frage, was so an dem Abend denn anliegt, weil man ja schon um 19 Uhr in den Zug geht. Es liegt nichts an, weil alle quer verteilt sein werden im ganzen Zug, denn wenn man eine Vierer-Kabine hat, heißt das noch lange nicht, daß man auch mit den Kollegen da zusammen ist. Glückssache! Und die Züge sind jetzt auch nicht so nett wie die deutschen Züge….
Da bin ich aber froh, daß ich wenigstens mit Markus zusammen sein kann. Der Rest ist richtig gekniffen. Jetzt bin ich auch nicht so wirklich der Campingtyp, der auf sowas steht….
D.h. Donnerstag 19 Uhr los, Ankunft Freitag, Besteigung eines Berges, abends ins Hotel, nächsten Tag (also Samstag) Sightseeing und abends wieder in den Zug. Und danach brauch ich wahrscheinlich erstmal 3 Tage frei, weil ich gar nicht geschlafen habe und mir sonst was eingefangen habe. Mir graust es…..
20.05.2014
Nix eingefangen. Alles gut!
Alsooooo, dann will ich mal berichten:
Donnerstag:
Bereits seit Tagen gab es Diskussionen, was man denn wohl am besten mitnehmen sollte, dann sind noch einige abgesprungen und mit den Zugtickets war das auch ein einziges Wirrwarr, weil auf den Tickets die falschen Namen standen zu den falsch gebuchten Betten etc.
Donnerstagabend trafen wir uns dann nun in einer Nudelsuppenküche am Bahnhof (zwischendurch hat unsere U-Bahnlinie noch versagt, Totalausfall! Den Rest mussten wir zu Fuß laufen). In dem Restaurant, was den Namen echt nicht verdient hat, haben wir uns dann alle getroffen und was gefuttert. Dort wurden dann für alle weiße Caps verteilt, damit wir uns auch ja alle immer wieder finden. Aufsetzen wollte die aber keiner, war auch echt nen bisschen komisch. Aber wer schon mal chinesische Reisegruppen gesehen hat, weiß, warum….
Dann ging es zum Checkin. In chinesischen Bahnhöfen ist es normal, daß man auch hier wie am Flughafen die Taschen abgeben und durch eine Kontrolle muß. Bringen tut das Ganze mal gar nichts, weil eh alles immer piept und die Kontrolleure gelangweilt da rumsitzen oder stehen und nichts tun.
Wir wurden dann auf verschiedene Waggons verteilt. Man hatte ja entweder die Holzklasse gebucht wie die meisten oder die Softbett-Klasse. Beim ersten Anblick sah das gar nicht mal so schlecht aus. Näher hingucken geht wirklich gar nicht, dann findet man die Haare der Vorgänger und die Flecken auf der Bettwäsche.
So, was nun tun mit dem ewig langen Abend und der Nacht?! Genau, ab in den Dining-Wagen und was trinken. Tja, dachten wir! Für den Sitzplatz muß man VERHANDELN!!!! Sowas Beklopptes. Und weder Essen noch Getränke gab es da. Okay, also wieder zum Abteil zurück und den ganzen Abend auf dem Flur mit den anderen abgehangen, Sitzplätze gab es ja nicht und wenn, dann halt nur Sitzen auf dem Bett. Ich hab dann dem chinesischen Buchhaltungskollegen Kniffel beigebracht. War durchaus lustig, erstmal die Spielregeln zu vermitteln. Denn die Begriffe auf Englisch zu wissen, da hört es dann echt auf.
Irgendwann haben wir uns in die Betten verkrümelt. Der Chinese ist nämlich ab 20 Uhr müde und hält es gerad noch bis 21.30 Uhr durch, dann fallen aber auch die Augen zu. Kein Wunder, daß die immer so gut erholt sind bei dem Schlafpensum. Da kann man wirklich neidisch werden (ernst gemeint)!
Die Nacht war nicht so prickelnd, die Bimmelbahn hat an jedem Bahnhof angehalten, geruckelt ohne Ende, die Klimaanlage hat das Pensum nicht mehr geschafft und dauernd rannte wer durch den Gang. Trotz geschlossener Tür zum Gang bekommt man viel mit. Zudem klappet alles auch im Abteil selbst und raubt einem den Schlaf. Um halb sechs war dann eh Wecken angesagt.
Freitag:
Wie macht man sich jetzt frisch? Genau! Gar nicht! Es gibt eine Toilette für ca. 50 Leute, kann man sich ja denken, wie lecker das ist. Klopapier auch nicht! Und dann gibt es drei kleine Waschbecken mit Spiegel, so daß man zumindest Zähne putzen kann. Wenn man sich umziehen möchte, muß man alle erst aus dem Schlafabteil rauswerfen, es sei denn, man mag das vor anderen Leuten….
Am Bahnhof hat uns dann die Reiseleitung empfangen! Dann sind wir erstmal alle frühstücken gegangen. Zu Kentucky Fried Chicken! Man muß das schon mögen morgens um 7…..
Ab da ging es dann in den Bus. Die Stadt, in der wir ankamen heißt übrigens Zhengzhou, ist auch eine Millionenstadt und auch hier ist der Smog allgegenwärtig! Es war brüllend heiß und stickig.
Mit dem Bus sind wir dann 2 Stunden in die Berge gefahren. Man hat vor lauter Smog nicht mal die Berge gesehen. Das ist schon wirklich sehr traurig, wenn man bedenkt, daß man 1000 Kilometer entfernt ist und trotzdem überall dieser Smog ist. Nirgends kann man mal atmen und mal weiter als 500 Meter sehen….
Unsere Reiseleitung hat alles auf Chinesisch berichtet mit einem Mikro direkt vor unserer Nase. Das ist ein Drachen gewesen. Ohne Mikro war sie schon laut, mit Mikro ein Albtraum. Wir haben schon Kopfhörer und Ohropacks drin gehabt und trotzdem hat sie alles übertönt. Unglaublich! Zugehört hat eh keiner, die Jungs hinten haben Karten gespielt, der Rest Musik gehört.
Dann kamen wir an dem Parkeingang an und sind dann mit anderen Bussen in den Park gefahren. Wunderschöne Natur kann man sagen!
Wir sind einen Rundweg gelaufen mit traumhaften türkisen Gewässern, Wasserfällen und Klippen und Schluchten. Natürlich waren wir nicht die Einzigen, aber das war ja auch nicht zu erwarten. Dieses Naturschutzgebiet ist ausgezeichnet als eine der Top-Sehenswürdigkeiten des Landes und das auch zu Recht!
Das Ganze Unterfangen war wahnsinnig anstrengend durch die Temperaturen, den fehlenden Sauerstoff und die Berge, die man ja rauf und runter wandern musste. Aber es hat sich wirklich gelohnt.
Mittags sind wir in ein Restaurant eingekehrt, was den Namen auch nicht verdient hat. Es war alles richtig versifft und wir haben mit Desinfektionstüchern den Tisch gewischt. Von den Toiletten möchte ich jetzt mal gar nicht erst berichten….
Danach ging es weiter in einen anderen Teil des Gebietes, wo man auch wunderschöne Gewässer hatte und sogar Affen leben in diesem Gebiet. Nach weiteren 3 Kilometern Auf und Ab waren wir alle ganz schön geplättet und sind dann nachmittags zum Hotel gefahren, wo wir uns alle erstmal erfrischen konnten. Ein schönes Hotel im Park, versehen mit Bemalungen, wie man das aus den Tempeln kennt.
Abends sind wir dann alle in ein Restaurant gegangen (auch dieses war echt schlecht). Dort ging dann die Party los! Es wurde ordentlich getrunken und alle hatten Spaß, es war wirklich ein sehr schöner Abend mit viel Bier und Reiswein! Die Produktionsjungs haben ordentlich für Stimmung gesorgt und überall wurden Fotos geschossen. Wie das aber in China hier so ist, schnell trinken, schnell voll, schnell ins Bett. Also waren wir um 21 Uhr schon zurück und auch kaputt genug um schlafen zu gehen. Denn der nächste Tag war ja auch voller Programm.
Samstag:
Morgens um 7 Uhr war Frühstück angesagt. Ein chinesisches Frühstück zeichnet sich dadurch aus, daß alles warm ist und für uns Westler unter Garantie nichts Bekanntes dabei ist außer Toast. Getränke gibt es da nicht, nur Sojamilch. Okay, hatten ja noch Müsliriegel sicherheitshalber mit.
Dann ging es auch schon bald los in einen anderen Teil des Gebirges. Durch die Serpentinen sind wir an einem Gelände angekommen, wo uns die Kollegen schon sagten, das wird mal noch anstrengender werden als der Vortag. Und so war es auch! 3000 Treppenstufen, 500 Höhenmeter und 2 Kilometer! Und dann kommt man zu einem Tempel! Glücklicherweise war an diesem Tag der Smog etwas weniger, aber dafür war es noch wärmer.
Und so sind wir nun stellenweise auf allen Vieren den Berg hinaufgekrochen. Es war das Anstrengendste, was ich jemals erlebt habe! Wenigstens erging es allen so, selbst die fittesten Chinesen hatten Last, da hochzukommen. Dafür war die Aussicht traumhaft, die Luft viel besser in der Höhe und alle waren happy, es geschafft zu haben, nach oben zu kommen! Dort kam man einer Tempelanlage an und konnte Buddhafiguren besichtigen.
Aber: wo es hochgeht, muß man ja auch runter! Also der ganze Weg wieder auf der anderen Seite des Tempels runter! Und wer denkt, hoch ist anstrengend, der täuscht sich gewaltig. Runter ist mindestens genauso schlimm. Und natürlich nur Treppen! Die letzten paarhundert Meter haben die Beine nachgegeben, weil man so am Zittern war. Unser Fahrer ist prompt gefallen, hat sich aber nichts getan. Und wir anderen haben irgendwann nur noch das Geländer festgekrallt, um überhaupt noch aufrecht runterzukommen, weil die Beine wie Pudding waren.
Unten angekommen hatten wir dann eine kurze Verschnaufpause und sind dann wieder zu dem leckeren Restaurant von gestern gefahren…. Geputzt war noch weniger als am Tag zuvor und es gab dasselbe Essen.
Dann ging es noch zu einem anderen Tempel, der wirklich sehenswert war und von da aus zurück mit dem Bus. Natürlich wurde noch an einem Supermarkt angehalten, der die Spezialitäten der Gegend anbot. Natürlich nur Schnäppchen! Trotzdem wurde ordentlich gekauft und danach ging es zum Bahnhof, wo wir leider aber noch 3 Stunden Zeit hatten, bis der Zug abfuhr. Wie gut, daß es Mc Donalds gibt und man damit rechnen kann, daß man die gewohnte Qualität bekommt.
Dann kam das Einchecken in den Zug und das war wirklich grausam. Man war in einer Wartehalle mit ungelogen etwa 1500 Menschen, die alle in die Züge wollten, es war brüllend heiß und stickig und der Kreislauf sackt sofort runter. Dort sah man dann auch mal das wirkliche chinesische Leben der Wanderarbeiter mit den Reissäcken und auch die arme Bevölkerung….
Im Zug dann das gleiche wieder wie auf der Hinfahrt, irgendwie den Abend rumkriegen und die Nacht überstehen…..
Sonntag:
Und morgens um 7 Uhr waren wir dann wieder zu Hause in unserer Wohnung…
Fazit:
Ein gelungener Trip trotz der ganzen schlechten Restaurants und dem Schlafzug. Wir hatten den Eindruck, daß alle Spaß hatten und das genossen haben, mal rauszukommen, weil das für die meisten Chinesen ja unerschwinglich und der einzige Urlaub im Jahr ist. Zudem hat man auch mal mehr Kontakt zu anderen Leuten bekommen, denn viele aus unserem Office waren gar nicht mitgekommen. Auch wenn man die sprachliche Barriere hat, kann man sich doch einigermaßen verständigen, wenn auch mit Händen und Füßen. Sicherlich ist das ein oder andere verbesserungswürdig, aber vielleicht liegt das auch an unseren Ansprüchen, vielleicht sehen die Kollegen das ja gar nicht so. Man wird es eh nie herausfinden, weil nie einer sagen würde, wenn was nicht gut ist. Von daher kann man sich ja irgendwo in der Mitte treffen und das Beste draus machen. Und wir lernen immer mehr dazu, was wirklich wichtig ist im Leben und das ist nicht ein klinischer Zug (klar wär das schöner, aber man überlebt auch das), sondern das Leben an sich, die Freude und vor allem die Tage sinnvoll zu gestalten…….


















Alljährlich findet bei uns ein Company Trip statt. Das ist ein Ausflug mit allen Mitarbeitern, der komplett organisiert ist mit allem Drum und Dran. In China ist das für kleinere Firmen wohl typisch und soll den Zusammenhalt fördern.
Wochen vorher wurden mehrere Möglichkeiten zur Auswahl gestellt. Die Abstimmung ergab dann eine Fahrt zum Yuntai-Mountain. Dort stand drin, daß man ca. 9 Stunden mit dem Bus benötigt. Es sollte also freitags nach der Arbeit losgehen und sonntags zurück. Nachdem wir uns die Bilder im Internet angesehen haben, waren wir begeistert. Kann ja nur gut werden!
Dachten wir! Denn der ganze Plan wurde natürlich wieder über den Haufen geschmissen. Warum auch immer…. Es geht jetzt donnerstags los und samstags zurück, Sonntagmorgen Ankunft. Jetzt steht eine Zugfahrt an über Nacht Hin und zurück auch.
- In einem Schlafwagen
- Die Betten sind aus Holz! Ohne Witz!
Tipps der Kollegen, die das kennen:
1. Nehmt euch einen Plastiküberzug mit für das Bett
2. Nehmt euch was zu essen und Getränke mit, zu teuer im Zug
3. Es gibt EINE Gemeinschaftsdusche für alle, duschen ist also nicht
Noch besser war dann, daß man auch ein Softbett haben kann, kostet halt Aufschlag. Das wurde für uns gebucht, weil Markus der GM ist, aber die anderen beiden Deutschen gehen in die Holzklasse. Problem: einer der Beiden ist fast 2 Meter groß. Er wurde informiert, daß er wahrscheinlich gar nicht in so ein Bett passt. Umbuchen auf die bessere Kategorie geht nicht, weil schon vergeben und tauschen will ja keiner….
Und noch viel besser war dann die Antwort auf unsere Frage, was so an dem Abend denn anliegt, weil man ja schon um 19 Uhr in den Zug geht. Es liegt nichts an, weil alle quer verteilt sein werden im ganzen Zug, denn wenn man eine Vierer-Kabine hat, heißt das noch lange nicht, daß man auch mit den Kollegen da zusammen ist. Glückssache! Und die Züge sind jetzt auch nicht so nett wie die deutschen Züge….
Da bin ich aber froh, daß ich wenigstens mit Markus zusammen sein kann. Der Rest ist richtig gekniffen. Jetzt bin ich auch nicht so wirklich der Campingtyp, der auf sowas steht….
D.h. Donnerstag 19 Uhr los, Ankunft Freitag, Besteigung eines Berges, abends ins Hotel, nächsten Tag (also Samstag) Sightseeing und abends wieder in den Zug. Und danach brauch ich wahrscheinlich erstmal 3 Tage frei, weil ich gar nicht geschlafen habe und mir sonst was eingefangen habe. Mir graust es…..
20.05.2014
Nix eingefangen. Alles gut!
Alsooooo, dann will ich mal berichten:
Donnerstag:
Bereits seit Tagen gab es Diskussionen, was man denn wohl am besten mitnehmen sollte, dann sind noch einige abgesprungen und mit den Zugtickets war das auch ein einziges Wirrwarr, weil auf den Tickets die falschen Namen standen zu den falsch gebuchten Betten etc.
Donnerstagabend trafen wir uns dann nun in einer Nudelsuppenküche am Bahnhof (zwischendurch hat unsere U-Bahnlinie noch versagt, Totalausfall! Den Rest mussten wir zu Fuß laufen). In dem Restaurant, was den Namen echt nicht verdient hat, haben wir uns dann alle getroffen und was gefuttert. Dort wurden dann für alle weiße Caps verteilt, damit wir uns auch ja alle immer wieder finden. Aufsetzen wollte die aber keiner, war auch echt nen bisschen komisch. Aber wer schon mal chinesische Reisegruppen gesehen hat, weiß, warum….
Dann ging es zum Checkin. In chinesischen Bahnhöfen ist es normal, daß man auch hier wie am Flughafen die Taschen abgeben und durch eine Kontrolle muß. Bringen tut das Ganze mal gar nichts, weil eh alles immer piept und die Kontrolleure gelangweilt da rumsitzen oder stehen und nichts tun.
Wir wurden dann auf verschiedene Waggons verteilt. Man hatte ja entweder die Holzklasse gebucht wie die meisten oder die Softbett-Klasse. Beim ersten Anblick sah das gar nicht mal so schlecht aus. Näher hingucken geht wirklich gar nicht, dann findet man die Haare der Vorgänger und die Flecken auf der Bettwäsche.
So, was nun tun mit dem ewig langen Abend und der Nacht?! Genau, ab in den Dining-Wagen und was trinken. Tja, dachten wir! Für den Sitzplatz muß man VERHANDELN!!!! Sowas Beklopptes. Und weder Essen noch Getränke gab es da. Okay, also wieder zum Abteil zurück und den ganzen Abend auf dem Flur mit den anderen abgehangen, Sitzplätze gab es ja nicht und wenn, dann halt nur Sitzen auf dem Bett. Ich hab dann dem chinesischen Buchhaltungskollegen Kniffel beigebracht. War durchaus lustig, erstmal die Spielregeln zu vermitteln. Denn die Begriffe auf Englisch zu wissen, da hört es dann echt auf.
Irgendwann haben wir uns in die Betten verkrümelt. Der Chinese ist nämlich ab 20 Uhr müde und hält es gerad noch bis 21.30 Uhr durch, dann fallen aber auch die Augen zu. Kein Wunder, daß die immer so gut erholt sind bei dem Schlafpensum. Da kann man wirklich neidisch werden (ernst gemeint)!
Die Nacht war nicht so prickelnd, die Bimmelbahn hat an jedem Bahnhof angehalten, geruckelt ohne Ende, die Klimaanlage hat das Pensum nicht mehr geschafft und dauernd rannte wer durch den Gang. Trotz geschlossener Tür zum Gang bekommt man viel mit. Zudem klappet alles auch im Abteil selbst und raubt einem den Schlaf. Um halb sechs war dann eh Wecken angesagt.
Freitag:
Wie macht man sich jetzt frisch? Genau! Gar nicht! Es gibt eine Toilette für ca. 50 Leute, kann man sich ja denken, wie lecker das ist. Klopapier auch nicht! Und dann gibt es drei kleine Waschbecken mit Spiegel, so daß man zumindest Zähne putzen kann. Wenn man sich umziehen möchte, muß man alle erst aus dem Schlafabteil rauswerfen, es sei denn, man mag das vor anderen Leuten….
Am Bahnhof hat uns dann die Reiseleitung empfangen! Dann sind wir erstmal alle frühstücken gegangen. Zu Kentucky Fried Chicken! Man muß das schon mögen morgens um 7…..
Ab da ging es dann in den Bus. Die Stadt, in der wir ankamen heißt übrigens Zhengzhou, ist auch eine Millionenstadt und auch hier ist der Smog allgegenwärtig! Es war brüllend heiß und stickig.
Mit dem Bus sind wir dann 2 Stunden in die Berge gefahren. Man hat vor lauter Smog nicht mal die Berge gesehen. Das ist schon wirklich sehr traurig, wenn man bedenkt, daß man 1000 Kilometer entfernt ist und trotzdem überall dieser Smog ist. Nirgends kann man mal atmen und mal weiter als 500 Meter sehen….
Unsere Reiseleitung hat alles auf Chinesisch berichtet mit einem Mikro direkt vor unserer Nase. Das ist ein Drachen gewesen. Ohne Mikro war sie schon laut, mit Mikro ein Albtraum. Wir haben schon Kopfhörer und Ohropacks drin gehabt und trotzdem hat sie alles übertönt. Unglaublich! Zugehört hat eh keiner, die Jungs hinten haben Karten gespielt, der Rest Musik gehört.
Dann kamen wir an dem Parkeingang an und sind dann mit anderen Bussen in den Park gefahren. Wunderschöne Natur kann man sagen!
Wir sind einen Rundweg gelaufen mit traumhaften türkisen Gewässern, Wasserfällen und Klippen und Schluchten. Natürlich waren wir nicht die Einzigen, aber das war ja auch nicht zu erwarten. Dieses Naturschutzgebiet ist ausgezeichnet als eine der Top-Sehenswürdigkeiten des Landes und das auch zu Recht!
Das Ganze Unterfangen war wahnsinnig anstrengend durch die Temperaturen, den fehlenden Sauerstoff und die Berge, die man ja rauf und runter wandern musste. Aber es hat sich wirklich gelohnt.
Mittags sind wir in ein Restaurant eingekehrt, was den Namen auch nicht verdient hat. Es war alles richtig versifft und wir haben mit Desinfektionstüchern den Tisch gewischt. Von den Toiletten möchte ich jetzt mal gar nicht erst berichten….
Danach ging es weiter in einen anderen Teil des Gebietes, wo man auch wunderschöne Gewässer hatte und sogar Affen leben in diesem Gebiet. Nach weiteren 3 Kilometern Auf und Ab waren wir alle ganz schön geplättet und sind dann nachmittags zum Hotel gefahren, wo wir uns alle erstmal erfrischen konnten. Ein schönes Hotel im Park, versehen mit Bemalungen, wie man das aus den Tempeln kennt.
Abends sind wir dann alle in ein Restaurant gegangen (auch dieses war echt schlecht). Dort ging dann die Party los! Es wurde ordentlich getrunken und alle hatten Spaß, es war wirklich ein sehr schöner Abend mit viel Bier und Reiswein! Die Produktionsjungs haben ordentlich für Stimmung gesorgt und überall wurden Fotos geschossen. Wie das aber in China hier so ist, schnell trinken, schnell voll, schnell ins Bett. Also waren wir um 21 Uhr schon zurück und auch kaputt genug um schlafen zu gehen. Denn der nächste Tag war ja auch voller Programm.
Samstag:
Morgens um 7 Uhr war Frühstück angesagt. Ein chinesisches Frühstück zeichnet sich dadurch aus, daß alles warm ist und für uns Westler unter Garantie nichts Bekanntes dabei ist außer Toast. Getränke gibt es da nicht, nur Sojamilch. Okay, hatten ja noch Müsliriegel sicherheitshalber mit.
Dann ging es auch schon bald los in einen anderen Teil des Gebirges. Durch die Serpentinen sind wir an einem Gelände angekommen, wo uns die Kollegen schon sagten, das wird mal noch anstrengender werden als der Vortag. Und so war es auch! 3000 Treppenstufen, 500 Höhenmeter und 2 Kilometer! Und dann kommt man zu einem Tempel! Glücklicherweise war an diesem Tag der Smog etwas weniger, aber dafür war es noch wärmer.
Und so sind wir nun stellenweise auf allen Vieren den Berg hinaufgekrochen. Es war das Anstrengendste, was ich jemals erlebt habe! Wenigstens erging es allen so, selbst die fittesten Chinesen hatten Last, da hochzukommen. Dafür war die Aussicht traumhaft, die Luft viel besser in der Höhe und alle waren happy, es geschafft zu haben, nach oben zu kommen! Dort kam man einer Tempelanlage an und konnte Buddhafiguren besichtigen.
Aber: wo es hochgeht, muß man ja auch runter! Also der ganze Weg wieder auf der anderen Seite des Tempels runter! Und wer denkt, hoch ist anstrengend, der täuscht sich gewaltig. Runter ist mindestens genauso schlimm. Und natürlich nur Treppen! Die letzten paarhundert Meter haben die Beine nachgegeben, weil man so am Zittern war. Unser Fahrer ist prompt gefallen, hat sich aber nichts getan. Und wir anderen haben irgendwann nur noch das Geländer festgekrallt, um überhaupt noch aufrecht runterzukommen, weil die Beine wie Pudding waren.
Unten angekommen hatten wir dann eine kurze Verschnaufpause und sind dann wieder zu dem leckeren Restaurant von gestern gefahren…. Geputzt war noch weniger als am Tag zuvor und es gab dasselbe Essen.
Dann ging es noch zu einem anderen Tempel, der wirklich sehenswert war und von da aus zurück mit dem Bus. Natürlich wurde noch an einem Supermarkt angehalten, der die Spezialitäten der Gegend anbot. Natürlich nur Schnäppchen! Trotzdem wurde ordentlich gekauft und danach ging es zum Bahnhof, wo wir leider aber noch 3 Stunden Zeit hatten, bis der Zug abfuhr. Wie gut, daß es Mc Donalds gibt und man damit rechnen kann, daß man die gewohnte Qualität bekommt.
Dann kam das Einchecken in den Zug und das war wirklich grausam. Man war in einer Wartehalle mit ungelogen etwa 1500 Menschen, die alle in die Züge wollten, es war brüllend heiß und stickig und der Kreislauf sackt sofort runter. Dort sah man dann auch mal das wirkliche chinesische Leben der Wanderarbeiter mit den Reissäcken und auch die arme Bevölkerung….
Im Zug dann das gleiche wieder wie auf der Hinfahrt, irgendwie den Abend rumkriegen und die Nacht überstehen…..
Sonntag:
Und morgens um 7 Uhr waren wir dann wieder zu Hause in unserer Wohnung…
Fazit:
Ein gelungener Trip trotz der ganzen schlechten Restaurants und dem Schlafzug. Wir hatten den Eindruck, daß alle Spaß hatten und das genossen haben, mal rauszukommen, weil das für die meisten Chinesen ja unerschwinglich und der einzige Urlaub im Jahr ist. Zudem hat man auch mal mehr Kontakt zu anderen Leuten bekommen, denn viele aus unserem Office waren gar nicht mitgekommen. Auch wenn man die sprachliche Barriere hat, kann man sich doch einigermaßen verständigen, wenn auch mit Händen und Füßen. Sicherlich ist das ein oder andere verbesserungswürdig, aber vielleicht liegt das auch an unseren Ansprüchen, vielleicht sehen die Kollegen das ja gar nicht so. Man wird es eh nie herausfinden, weil nie einer sagen würde, wenn was nicht gut ist. Von daher kann man sich ja irgendwo in der Mitte treffen und das Beste draus machen. Und wir lernen immer mehr dazu, was wirklich wichtig ist im Leben und das ist nicht ein klinischer Zug (klar wär das schöner, aber man überlebt auch das), sondern das Leben an sich, die Freude und vor allem die Tage sinnvoll zu gestalten…….


















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